Chrangi Kasse?

Gestiegene Lebenserwartung: Pro Jahr werden wir dreieinhalb Monate älter

Seit der Einführung des Krankenversicherungs-Gesetzes 1996 ist die Lebenserwartung von durchschnittlich 75 Jahre auf 82 gestiegen. Das ist gut so – wir sollten ein Fest feiern.

Die Zunahme des Durschnittalters ist mit Kostensteigerung im Gesundheitswesen verbunden. Wer behauptet man könne die Alterszunahme zum Nulltarif haben, hat die wirklichen Ursachen nicht verstanden oder versucht vom eigentlichen Problem abzulenken, nämlich wie wir diese Kosten fair verteilen.

Gesundheitskostenwachstum längst über Produktivitätssteigerung finanziert

Zwischen 1996 und 2016 sind die Gesundheitskosten um 43 Mia angewachsen. Gleichzeitig ist die Schweizer Wirtschaft (BIP) um 282 Mia auf 689 Mia angewachsen. Als Gemeinschaft können wir uns die gestiegen Gesundheitskosten also längstens leisten. Was wir uns nicht leisten können ist, dass die Kosten ungerechte verteilt werden.

Hattrick – wie der Mittestand gleich dreifach über den Tisch gezogen wurde:

Erstens: Produktivitätszuwachs wird nicht vollständig über Löhne weitergegeben
Wächst die Wirtschaft, so wachsen die Gesundheitskosten mit. Die Schweizer Wirtschaft ist in den letzten 23 Jahren um 45% gewachsen. Hingegen sind die Löhne nur um 27% gestiegen. Wird das Wirtschaftswachstum nicht vollständig über die Löhne weitergegeben, so nimmt die relative Belastung des Mittelstandes zu.

Zweitens: Staatsaufgabe Gesundheitswesen nicht in Staatsrechnung integriert

Seit 1996 sind die Gesundheitskosten um 33% stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Der Anteil der Gesundheitskosten am ganzen Schweizer Wirtschaftskuchen BIP hat sich damit von 9.7% (1996) auf 12.2% (2016) erhöht.

Die Zunahme des Durschnittalters und die damit verbundene Kostensteigerung im Gesundheitswesen ist nicht vom Himmel gefallen, sondern war und ist ein lang anhaltender Trend in allen modernen Gesellschaften.

Aufgrund dieser Vorhersagbarkeit, wäre es möglich gewesen die absehbare Kostensteigerung der Staatsaufgabe Gesundheit von Anfang an auch in die Staatsrechnung einfliessen zu lassen. So hätte man die Kosten solidarisch mittels Steuern verteilen können. Jeder Bürger hätte dann gemäss seinen finanziellen Möglichkeiten an dieser Last mitgetragen.

Stattdessen wurde aber das Umgekehrte gemacht: Während andere Staatsaufgaben gemäss den finanziellen Möglichkeiten jedes Einzelnen über Steuern finanziert werden, wurde im Gesundheitswesen eine Kopfprämie eingeführt.

Drittens: Kostenwachstum ist nur die halbe Wahrheit

Die Krankenkassenprämien sind seit 1996 mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Gesundheitskosten (71% statt um 33%). Wer behauptet, die Kostensteigerung im Gesundheitswesen sei das Grundproblem, vermittelt also nur die halbe Wahrheit.

Das eigentliche Problem ist die unsolidarische Kopfprämie. Die Produktivitätsgewinne der Wirtschaft werden über unterschiedliche Löhne weitergegeben. Die Krankenkassenprämie hingegen wird pro Kopf erhoben. Eine Kassiererin bezahlt also gleich viel wie ein Millionär. Je stärker die Wirtschaft wächst, desto grösser wird diese Diskrepanz. Dazu kommt, dass der ambulante Anteil an den Gesundheitsleistungen steigt, während der stationäre Anteil sinkt (ambulant vor stationär). Der stationäre Anteil wird über einkommensabhängige Steuern mitfinanziert (55%), währen der ambulante Anteil vollumfänglich über die Krankenkassen – und damit über die unsolidarische Kopfprämie – finanziert wird.

Deshalb folgende Vorschläge:

i lose zue – Ihri Bewärtig zällt!

Die Finanzierungsansätze für ambulant und stationär sind per sofort gleichzusetzen, damit Fehlanreize vermieden werden.

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3.8)

Der Bund sorgt dafür, dass die Kanton Prämienverbilligungen auszuschütten, um die seit 1996 stattfindende Umverteilung von Unten nach Oben zu kompensieren. Eine entsprechend Initiative der SP ist unterwegs.

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4.3)

Mittels einkommensabhängiger Krankenkassenprämien kann die Ungerechtigkeit der Kopfprämie korrigiert werden.

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3.8)

In dem Mass, wie die Alterszunahme die Kosten im Gesundheitswesen erhöht, soll der entsprechende Betrag Mittels Steuern eingezogen und kompensiert werden.

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3.3)

Remo Oser in den Nationalrat!